Sonntag, 5. Juni 2016

Geistertitel - Eine kleine Rezension

Prolog:

Manchmal wird man von etwas so sehr beeindruckt, dass man es kaum beschreiben kann.

Die Lust auf etwas haben, das kennt jeder. Ob man nun außerhalb seiner vier Wände was unternehmen möchte oder ob man Lust auf einem bestimmten Film hat. Doch auch da gibt es verschiedene Stufen. Einfach nur etwas genießen oder total darin aufgehen. Man muss einfach die "Antenne" dafür haben und das Medium oder die Aktivität zum richtigen Zeitpunkt konsumieren bzw. erleben.

Zurzeit bin ich sehr auf menschliche Schicksale fixiert bzw. sensibilisiert. Das kommt durch die Serie "Ally McBeal". Wer die Serie nicht kennt: Es ist eine Anwalts-Serie, allerdings recht durchgeknallt. Ja, fast schon comichaft. Der Macher David E. Kelly hat später auch Boston Legal, ebenfalls eine Antwalts-Serie, geschaffen, die auch nicht ganz ernst zu nehmen ist. Wobei die Fälle selbst ein Spiegelbild der amerikanischen Realität sind.

Ally McBeal im Vergleich dazu ist aber viel, viel tiefgründiger. Ja, in der ersten Staffel überwiegen die komischen Momente, die einen auch in den späteren Staffeln nicht loslassen. Allerdings sieht man mit jeder Folge immer mehr hinter die Fassade des einzelnen Menschen und mit was er zu kämpfen hat, obwohl er vordergründig sich anders gibt und versucht seine Schwächen zu kaschieren. Die Serie hat etwas sehr Psychologisches. Wer die Antenne dafür nicht hat, wird einfach nur seinen Spaß an der Serie haben. Das ist natürlich auch nicht verkehrt.

Aber wieso erzähle ich das alles, wenn im Titel meines Artikels "Geistertitel" steht?


Hauptteil:

Das Buch "Geistertitel" wurde von Anne E. Fiebelkorn, einer Freundin von mir, geschrieben und ist gleichzeitig ihr Erstlingswerk. Aufgrund der Antenne, die ich, wie oben geschrieben, aufgrund Ally McBeal zurzeit habe, hat mich das Buch mit voller Wucht getroffen.

Es handelt von dem 19-jährigen Mädchen Pieper, die sich mit ihren Schwestern Iken und Aline alleine durchs Leben schlagen muss, da ihre Mutter 6 Jahre zuvor, ohne ein Wort zu sagen, nach Amerika verschwand. Doch dann kommt ihre Mutter plötzlich zurück.

Da die Geschichte aus der Ich-Perspektive von Pieper erzählt wird, wird man mitten hinein gezogen in die Welt ihrer Gefühle, welche aus Freude, Trauer, Hoffnung, Zweifel und vielem mehr besteht. Sie versucht ein bisschen Ordnung in das herrschende Chaos zu bringen, welches ihre Mutter hinterlassen hatte, was ihr aber nicht gelingen vermag. Ihre Schwester Iken macht ihr dabei auch nicht das Leben sonderlich leicht, da diese in ihrer eigenen kleinen Welt lebt und daher auch ab und zu einen Psychiater besuchen muss. Die ältere Schwester Aline versucht die Familie finanziell zu unterstützen und hat dafür einen Mann geheiratet, den sie zwar nicht liebt, der dafür aber viel Geld hat.

Das Buch ist unheimlich gut geschrieben. Die Erzählstruktur, der Satzbau und die Beschreibungen Piepers Welt sind für ein Erstlingswerk unheimlich gelungen. Pieper hat mich gepackt, mich mitgerissen und bis zum Ende nicht mehr losgelassen. Ich habe mich mit ihr gefreut, mit ihr gelitten, Ängste durchgestanden und gejubelt. Trotz der guten Beschreibungen lässt die Autorin genug Spielraum, um sich selbst was auszumalen. Daher wird auch nicht auf alles eingegangen, was ich ungewöhnlich, aber sehr konsequent fand.

Vielleicht entstand dadurch auch der Titel des Buches. Die Geschichte einer jungen Familie, die Dinge, die sie durchstehen muss - und dennoch wird nicht alles erklärt. Wie hätte man so ein Buch nennen sollen? Ich finde, "Geistertitel" ist daher sehr passend. Als hätte der Leser selbst die Möglichkeit einen sich für ihn passenden Titel auszusuchen. Denn das Buch wird jeden Leser mit einem anderen, ganz persönlichen Eindruck aus seiner Welt verabschieden. Etwas, das man nicht genau beschreiben kann. Oder vielleicht auch nicht möchte, weil man das Erlebnis nicht teilen möchte. Wie ein Geist; etwas Unscheinbares, kaum Sichtbares.

Epilog:

Das Buch gibt es als "Print on Demand" (wird bei Bestellung gedruckt und dann versendet) Taschenbuch oder als E-Book. Bestellen könnt ihr es in jedem Buchhandel oder direkt bei Amazon. Das Taschenbuch kostet 12,90 Euro (ohne Versandkosten wenn ihr Prime Kunde seid) oder 2,99 Euro in der E-Book Variante.

Ich hoffe sehr, dass es noch weitere Bücher von der Autorin Anne E. Fiebelkorn geben wird. Mal schauen, welches Genre bzw. welche Geschichte sie dann zu erzählen hat.


Keine Kommentare:

Kommentar posten